Jetzt wird's wild: Unsere Whippet-Welpen in Woche 3

Manchmal frage ich mich, wo die Zeit bleibt. Vor gefühlt drei Tagen lagen hier noch taube, blinde kleine Würstchen im Wurfkorb, die nichts anderes konnten als trinken und schlafen. Und jetzt, in Woche drei, ist auf einmal ein kleines Rudel aus dem Nest geworden – mit offenen Augen, ersten Zähnchen und einem gehörigen Mitteilungsbedürfnis. Willkommen in der wohl aufregendsten Entwicklungsphase eines Whippet-Welpen: der Übergangsphase in die soziale Prägungszeit.
Die Waage lügt nicht: Alle legen gut zu
Fangen wir mit dem an, was uns Züchtern jeden Tag den meisten Seelenfrieden gibt: dem täglichen Wiegen. Alle Welpen haben in dieser Woche kontinuierlich zugenommen, und genau das ist das wichtigste Signal dafür, dass es dem gesamten Wurf gut geht. Ein Whippet-Welpe sollte sein Geburtsgewicht in der ersten 10 bis 14 Tagen verdoppeln und danach stetig, aber nicht sprunghaft weiterwachsen. Schwankungen oder Stillstand wären ein Alarmsignal – gleichmäßiger Zuwachs dagegen ist der beste Beweis, dass Milch beziehungsweise inzwischen auch der Zusatzbrei ideal vertragen werden.
Der erste Brei: Ein Meilenstein für Nasen und Gaumen
Apropos Brei: Diese Woche stand die erste große kulinarische Erweiterung auf dem Speiseplan an. Neben der Muttermilch gibt es jetzt zusätzlich einen leicht verdaulichen Brei. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Etwa ab der dritten Lebenswoche beginnen die ersten Zähnchen zu kommen, gleichzeitig steigt der Nährstoffbedarf der Welpen so stark an, dass die Muttermilch allein bald nicht mehr ausreicht. Dass der Brei von allen Welpen sofort und begeistert angenommen wurde, ist ein gutes Zeichen – und gleichzeitig der Startschuss für die schrittweise Entwöhnung, die in den kommenden Wochen immer mehr Fahrt aufnehmen wird.
Licht an: Die Augen sind offen
Der vielleicht emotionalste Moment der Woche: Alle Welpen haben ihre Augen geöffnet. Bei Whippets passiert das typischerweise zwischen dem 10. und 16. Lebenstag, wobei jeder Welpe sein eigenes Tempo hat. Die Augen erscheinen zunächst trüb-bläulich und sind extrem lichtempfindlich – die Welt wird also erstmal nur verschwommen wahrgenommen. Erst in den nächsten Wochen entwickelt sich das Sehvermögen richtig, und die endgültige Augenfarbe zeigt sich, wie bei uns Menschen, erst später. Trotzdem verändert dieser Schritt alles: Die Welpen beginnen, ihre Umgebung visuell zu erkunden, reagieren auf Bewegungen und orientieren sich zunehmend an Mutter und Geschwistern statt nur am Geruch.
Kleine Zähne, große Wirkung
Fast zeitgleich mit den Augen kommen die ersten Milchzähne durch – meist beginnend mit kleinen, spitzen Zähnchen im Oberkiefer. Für die Welpen bedeutet das: Die Zeit des reinen Saugens neigt sich dem Ende zu, und das Kauen wird zur neuen Lieblingsbeschäftigung. Für die Mutterhündin bedeutet es leider auch: Das Säugen wird zunehmend unangenehmer. Es ist völlig normal und gesund, wenn Hündinnen ab jetzt beginnen, die Säugezeiten selbst zu verkürzen und aktiv Abstand zu suchen – ein natürlicher und wichtiger Teil des Abstillprozesses.
Stubenreinheit in Zeitlupe: Erste Erfolge auf dem Klo
Ein Detail, das Laien oft unterschätzen, uns Züchter aber regelrecht stolz macht: Die Welpen gehen inzwischen zum Großteil schon treffsicher an eine bestimmte Stelle zur Erleichterung. Das ist kein Zufall und schon gar keine "Erziehung" im klassischen Sinn – es ist ein natürlicher Instinkt, den Welpen entwickeln, sobald sie sich koordiniert genug bewegen können, um vom Schlafplatz wegzukrabbeln. Hunde meiden von Natur aus ihren eigenen Ruheplatz als Toilette. Wenn wir als Züchter die Wurfkiste klug einrichten – mit einem separaten Bereich für Schlafplatz, Spielbereich und "Klo-Ecke" –, unterstützen wir diesen Instinkt und legen den Grundstein für eine spätere, unkomplizierte Stubenreinheit im neuen Zuhause.
Rein ins Leben: Der Umzug ins Wohnzimmer
Diese Woche gab es auch einen räumlichen Umzug: Tagsüber verbringen die Welpen jetzt Zeit im Wohnzimmer statt im ruhigen Schlafzimmer. Staubsauger, Türklingel, Fernseher, klapperndes Geschirr, Kinderstimmen, andere Haustiere – all diese ganz normalen Alltagsgeräusche und -eindrücke, die die Welpen jetzt in einem sicheren, geschützten Rahmen erleben, formen buchstäblich ihr späteres Nervenkostüm. Welpen, die in dieser sensiblen Phase mit einer reichhaltigen, aber nicht überfordernden Umgebung aufwachsen, entwickeln sich nachweislich zu belastbareren, gelasseneren erwachsenen Hunden.
Sozialleben auf Hochtouren
Und dann ist da noch das, was die dritte Woche für uns Züchter zum Highlight macht: das Sozialverhalten. Innerhalb weniger Tage hat sich der Wurf von einer Ansammlung einzelner, unabhängig voneinander agierender Welpen zu einer echten kleinen Gruppe entwickelt. Es wird miteinander gespielt, mit der Mutter interagiert, und ganz besonders eifrig wird geknabbert – an den Ohren und an den Beinen der Geschwister und der Mama sowie auch an uns Menschen.
Dieses Beißen wirkt niedlich, ist aber weit mehr als nur süß: Es ist der Beginn des sogenannten Bisshemmungs-Lernens. Wenn ein Welpe seine Wurfgeschwister zu fest beißt, quiekt dieser laut auf und bricht das Spiel ab – eine sofortige, unmissverständliche Rückmeldung. Über unzählige solcher kleinen Interaktionen lernen Welpen in den nächsten Wochen, wie fest "zu fest" ist. Das ist einer der Gründe, warum es so wichtig ist, Welpen nicht zu früh von ihren Geschwistern zu trennen – dieses Training kann kein Mensch der Welt so authentisch ersetzen wie ein quiekender Wurfbruder.
Neue Töne im Whippet-Orchester
Zum Schluss noch ein Moment, der uns jedes Mal zum Schmunzeln bringt: In dieser Woche haben die Welpen ganz neue Laute für sich entdeckt. Zum ersten Mal war probeweises Knurren zu hören – beim Spielen und Balgen– und auch das erste, noch etwas unbeholfene Bellen. Beides sind Kommunikationsformen, die vorher schlicht nicht im Repertoire waren, weil auch das Gehör sich erst in dieser Phase entwickelt. Die Welpen "üben" gewissermaßen ihre eigene Stimme, genau wie sie ihre Beine und ihre Augen üben. Es klingt noch piepsig und wenig überzeugend – aber der Grundstein für die künftige Kommunikation ist gelegt.
Fazit: Eine Woche voller Premieren
Woche drei ist bei den Welpen die Woche der ersten Male: erstes Sehen, erste Zähne, erster fester Futterbrei, erste bewusste "Toilettengänge", erste neue Laute und vor allem das erste soziale Interagieren untereinander. Für uns als Züchter ist genau das der Moment, in dem aus sechs einzelnen kleinen Lebewesen langsam sechs kleine Persönlichkeiten werden – jede mit eigenem Charakter, eigenem Spieltrieb und eigenem kleinen Knurren.
Und tatsächlich hat sich auch motorisch schon einiges getan: Statt der anfänglichen Robbe- und Krabbelversuche legen einige Welpen inzwischen schon richtig souveräne Laufrunden durch die Wurfkiste hin – noch etwas tapsig, mit gelegentlichem Umkippen in den Kurven, aber die Richtung stimmt eindeutig.
Nächste Woche wird's noch spannender: Dann werden aus diesen ersten sicheren Schritten vermutlich schon die ersten kleinen Sprints – ein schöner Vorgeschmack auf die Rennleidenschaft, für die Whippets später einmal bekannt sind. Und wer die Rasse kennt, weiß: Auf diese kurzen Sprintphasen folgt meist genauso zuverlässig die nächste ausgiebige Kuscheleinheit auf dem Sofa.
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Whippetkennel of Glacier Grace Alexandra Mayr
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Mitglied im ÖKWZR – Österreichischer Klub für Windhunde, Zucht und Rennsport


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